Nach der langen Polarlichtnacht lassen wir es heute etwas entspannter angehen. Das Frühstück im Gerdi ist sehr lecker und abwechslungsreich. Dann heißt es zusammenpacken und einladen. Die drei Nächte hier sind verflogen und waren voller wunderbarer Momente und Eindrücke. Die Abfahrt ist um 10:30 Uhr und wir fahren die 80 km nach Höfn ohne Fotostopp unterwegs. Nur ein Tank- und Einkaufs-stopp sind unterwegs nötig, dann fahren wir auf die Halbinsel Stokksnes, wo wir die nächsten 2 Tage/3 Nächte verbringen werden. Auf der Fahrt sinkt die Temperatur zwischenzeitlich bis auf -12°C. Die Straße ist total vereist und schnell wird klar, die Fahrt zurück in den Ort zum Abendessen (11 Kilometer) wird nicht einfach.
Nach einer ersten Beobachtungsfahrt auf der Strandstraße machen wir Mittagspause im kleinen Café. Ausgerüstet mit warmer Kleidung machen wir uns erneut auf den Weg zum Strand. Hier verbringen wir den Rest des Nachmittags bis nach dem Sonnenuntergang. Es ist eine eigentümliche Landschaft. Das Vestrahorn ist von Strand aus in voller Ausdehnung zu sehen, dazu kleine und etwas höhere Dünen, die jetzt unter Schnee liegen und doch schimmert überall der schwarze Sand durch. Der Strand ist im Halbrund vor der Bergkulisse und wir durch sanfte Wellen immer wieder je nach Tide mehr oder weniger überspült. Am Ende der Halbinsel liegt ein Gebiet, das die NATO als Radarstation betreibt. Hier ist der Zutritt verboten. Gleich nebenan liegt noch ein Leuchtturm, den wir aber leider nicht erreichen können.
Nach der Erfahrung des frühen Polarlichtstarts am Vortag und den extrem schlechten Straßenverhältnissen fahren wir nicht zum Abendessen nach Höfn sondern bleiben in unserer Unterkunft direkt am Vestrahorn und sind so jederzeit für den Beginn der Lichtshow am Himmel bereit. Ich bestelle mir zwei Panini. Eins esse ich gleich und das andere lege ich mir für später auf mein Zimmer.
Kurz nach 20:00 Uhr entdeckt Peter bei Probeaufnahmen die grünen Farben am Himmel über dem Vestrahorn. 20 Minuten später sind alle bereit und wir fahren wieder auf den Strand an der Halbinsel. Während der 2 Stunden, die wir draußen verbringen, fotografieren wir die Polarlicht-Bögen, die sich über dem Vestrahorn bilden. Vor allem am rechten Rand intensiviert es sich immer mal wieder. Zu kurzen Zeitpunkten bildet sich ein grüner Kranz über dem Bergmassiv, aber insgesamt fehlt die Intensität vom Vortag. Trotzdem gelingen mir wunderschöne Aufnahmen mit Spielgelungen im Wasser am Strand. Auch die Milchstraße kann man erkennen und mit Polarlicht als Untergrund fotografieren. Wirklich schön!
Das Polarlicht wird jedoch immer schwächer und so kehren wir gegen 23:00 Uhr in die Unterkunft zurück. Ich freue mich noch über heißen Tee und das Panini. In jedem Zimmer gibt es zum Glück einen Wasserkocher und Kaffee und Tee. So kann ich gemütlich wieder warm werden und die Eindrücke des Tages noch einmal Revue passieren lassen.
Am Morgen lassen wir es gemütlich angehen. Das Frühstück im kleinen Café ist lecker und reichhaltig. Für heute ist hier in Höfn Schneefall und Wind angesagt. Diese Vorhersage trifft leider ab ca. 9:00 Uhr auch ein. Das Vestrahorn verschwindet in tiefen Wolken und Nebel. Wir beobachten die Wetterlage aus dem Café vor Ort und befassen uns mit Bildbearbeitung.
Als der Berg sich gegen Mittag wieder zeigt und Wind und Schneefall etwas abnehmen, fahren wir auf den Strand und können für eine kurze Zeit fotografieren.
In unseren bewährten Wasserschutzmaßnahmen stehen wir diesmal am Strand und versuchen die Spiegelungen im nassen Sand einzufangen. Je weiter man sich an die Wasserkante traut (die sich aber eben oft auch plötzlich etliche Meter verschiebt und man selber dann im Wasser steht), umso besser kann man die Spiegelung vollständig erfassen. Aber heute ist es kalt und ungemütlich und immer wieder ist leichter Schneefall. Ich habe nach einiger Zeit genug vom Wasser und streife noch eine Weile durch die Dünen auf der Suche nach schönen, besonderen Fotomotiven.
Nach einer Stunde ist der Berg wieder unsichtbar und wir fahren zum späten Mittagessen in die Unterkunft.
Der bereits in der Nacht gespürte Anstieg der Temperaturen ist der Vorbote eines angekündigten Tiefs, das Island erreichen soll. Dabei wird mit Regen, Schnee und hohen Windgeschwindigkeiten gerechnet. Aktuell sind 17 Wetterwarnung für die nächsten 3 Tage ausgegeben worden. Peter behält die Situation angespannt im Auge, da es unsere Fahrt am Samstag von Höfn zurück nach Vik betreffen könnte.
Nachmittags verbringen wir wieder Zeit mit dem Entwickeln und Bearbeiten unserer Bilder. Vorher müssen aber das Stativ und die Überschuhe vom Sand und Salz befreit werden. Der schwarze Sand ist in der gesamten Dusche verteilt.
Am frühen Nachmittag fahren wir heute tatsächlich nach Höfn zum Abendessen und sind vor absoluter Dunkelheit zurück in der Unterkunft am Ende der Welt. Die Straße wirkt sehr glatt, aber Peter erscheint die Fahrerei möglich. Wir freuen uns jedenfalls über die Abwechselung, denn in unserer Unterkunft gibt es kein Restaurant. Nur das Café bietet bis 17 Uhr das Panini an. In Höfn finden wir einen sehr netten Laden, wo ich lecker Fish and Chips esse.
Die Temperaturen sind am Tag bis auf +3°C angestiegen und sollen auch in der Nacht weiter auf +5°C ansteigen. Der gelegentliche Schneefall geht nun in Dauerregen über. In der Nacht soll es bewölkt bleiben. Daher erwarten wir keine Polarlichtjagd und können es uns im Zimmer gemütlich machen. Schade an der sonst schönen Unterkunft ist, dass wir keinen Aufenthaltsraum haben, wo wir uns als Gruppe treffen können. So ist jeder auf seinem Zimmer und mit seinen Dingen befasst.
Nach einer erholsamen Nacht und einer guten Vorhersage für den Sonnenaufgang, wollten wir nur ganz kurz frühstücken und dann wieder auf den Stokksnes Strand fahren. Doch bereits eine halbe Stunde vor Frühstück zeigt sich der Himmel in rosa und lila. Daher entschließen wir uns ohne Frühstück loszufahren. Jeder zieht heute für sich alleine los und fotografiert an verschiedenen Punkten in den Dünen und am Strand.
Das Highlight ist sicher die Spiegelung des Vestrahorn Berges im Wasser auf dem Strand. Hierzu bin ich wieder in meine wasserdichten Überschuhe gestiegen. Diese haben aber leider einen Riss in dem doppelten Stoff am Reißverschluß bekommen, und ich bin nicht mehr sicher, ob alleine der Reißverschluss wirklich dichthalten würde. Daher bin ich vorsichtig und beobachte das Wasser genau. Hier kann man lieber einmal weglaufen, es liegen ja keine Eisbrocken im Weg rum.
Mit zunehmender Zeit bildet sich ein Bodennebel, der immer höher steigt und den Blick auf den Berg trübt. um 12:30 Uhr kehren wir zurück in die Unterkunft und holten das Frühstück mit Panini nach. Dies muss leider teuer bezahlt werden, das Frühstück wäre inklusive gewesen. Hier sind die Wirtsleute auch kein Stück entgegenkommend und geben wenigstens mal den Kaffee aus. Aber vielleicht sehe ich das ja auch zu eng.
Am frühen Nachmittag machen wir eine Wanderung zu dem Viking Village. Es handelt sich um einen Nachbau, der für ein Film/TV Projekt gedacht war. Der Film wurde aber nie realisiert. Trotzdem hat das Dorf und das im Eis liegende Wikingerschiff seinen Reiz und bietet noch einmal eine andere Fotolocation als nur den Berg und die Dünen. Ich wäre so gerne noch zum Leuchtturm gewandert, aber das ist zu weit.
Das Wetter hält sich weiterhin gut und die Temperaturen steigen bis auf +3°C an. Gegen 15:30 Uhr fahren wir nochmals alle gemeinsam auf den Strand.
Das bedeutet, dass wir vorher wieder das Panini kaufen und aufs Zimmer für später legen. Auf Grund des angekündigten Sturms und der vom Wetterdienst ausgegebenen orangen Wetterwarnung fahren wir zum Abendessen nicht nach Vik.
Die Spiegelungen am Strand ziehen uns magisch an. Die Wellen sind nun deutlich höher und stärker als am Morgen. Das Licht ist in der Zwischenzeit sehr flach und es entsteht der Eindruck, ob wir Schwarz/Weiss fotografieren.
Auch in den Dünen wird dieser Effekt sichtbar.
Gegen 17:30 Uhr kehren wir zurück. Jeder zieht sich nun wieder auf sein Zimmer zurück, bearbeitet die Bilder, reinigt die Kleidung und Ausrüstung und sitzt vor seinem Panini. Hätte ich es besser eingeschätzt, hätte man am Anreisetag im Supermarkt eher noch mal eine 5 Minuten Terrine oder ähnliches mitgenommen. Aber immerhin habe ich noch einen Apfel und einen Skyr.