Schon kurz nach meiner ersten Islandreise habe ich beschlossen, ein weiteres Mal mit Peter von Freiraum Fotografie Island zu besuchen.
Die jetzige Reise geht über 12 Tage und besucht den Süden und Südosten der Insel.
Für die längere Reisezeit brauche ich also mehr Kleidung. Einige Kleidungsstücke sind zusätzlich recht knapp geworden und so fahre ich Anfang Januar nach Hamburg zu Globetrotter. Allerdings gibt es keine gut sitzende neue Hose für mich. In meiner Verzweiflung kaufe ich die gleiche Hose, die ich schon besitze, erneut, obwohl sie mit warmer Unterhose drunter und eingestecktem Funktionsshirt eigentlich zu eng ist. Im Nähkurs habe ich für meine alte Hose eine Erweiterung genäht. Schlussendlich habe ich mich entschieden, die gekaufte Hose zurückzuschicken, da es einfach wenig Sinn macht zwei zu enge Hosen gehabt zu haben. Ich habe meine alte Skihose rausgekramt, die hat Luft und kann als Zweithose herhalten, falls wir mal sehr durchnässt sein sollten. Schuhe, sehr warme Socken und Thermounterwäsche habe ich von der ersten Reise ebenso Handschuhe und meine warme Jacke. Trotzdem habe ich diesmal noch eine zweite Jacke eingepackt, da viel Regen möglich ist. Die Tage vor der Abreise ist der Esstisch mein Sammelplatz für die Reiseutensilien. Zum Glück habe ich letztes Jahr eine Liste erstellt, was nicht fehlen darf. Das sind auch so einfache Dinge wie ein Löffel oder Obstmesser oder ein Becher und Tee oder Kaffeepulver.
Am Abend vor der Reise kommt dann der große Koffer zum Einsatz. Peter möchte immer lieber Taschen, die kann man im Auto besser quetschen. Aber auf diese Investition hatte ich keine Lust.
Jetzt 3 Tage vor der Reise berichtete die Presse, das auf Island mal wieder die Erde bebt und ein Vulkan, der Bardabunga, der in der Nähe unseres Reiseziels liegt, möglicherweise auszubrechen droht. Er liegt am Vatnajökoll Gletscher und ist teilweise von Eis bedeckt, was ihn sehr gefährlich macht. Allerdings ist er eher am Nordrand des riesigen Gletschers und wir fahren am Südrand entlang.
Auch in der Nähe des Flughafens auf der Reykjanishalbinsel wartet man auf den nächsten Ausbruch. Den Ausbruch im Januar 2024 habe ich ja miterlebt, das macht mir nicht so viel Angst, da es ein Spaltenvulkan ist, der eben auf mehreren Kilometern Länge ausbricht und damit nicht so in die Höhe schiesst.
Allerdings kann man ja nichts machen außer abwarten und hoffen. Bis zum Abflug bleibt alles ruhig und so fährt mich mein lieber Mann Toddy, am Samstag, dem 25. Januar nach Hamburg zum Flughafen. Der Koffer ist mit 23,2 Kilo gerade noch im Limit, mein Fotorucksack mit knapp 9 Kilo ebenfalls. Der Check-in am Vorabend hat nach einigen Komplikationen geklappt und so kann ich meinen Koffer direkt am Drop-off Schalter abgeben. Auch bei der Security ist es diesmal sehr angenehm. Durch einen neuen Scanner brauche ich den Fotorucksack nicht mehr auszupacken. Selbst der Laptop kann im Rucksack bleiben, nur mich selbst haben sie abgetastet, da ich den Gürtel nicht aus der Hose gezogen hatte. So bin ich tatsächlich bereits nach 20 Minuten an meinem Gate und habe dort gewartet. Hier lerne ich auch bereits eine Mitreisende, Nina, kennen. Gemeinsam geht es mit unserer kleinen Propellermaschine, die aber fast voll ausgebucht ist, nach Kopenhagen. Der einzige freie Platz ist neben mir, was für mich natürlich sehr angenehm ist. Trotz heftiger Sturmwarnungen in den letzten Tagen ist der Flug sehr ruhig und angenehm. In Kopenhagen gönne ich mir einen Kaffee und ein Brötchen, dann heißt es 2 Stunden auf den Anschluss warten. Auch dieses Flugzeug ist ausgebucht. Es startet pünktlich in Richtung Island und durch die Zeitverschiebung von einer Stunde landen wir pünktlich um Ortszeit 15:20 Uhr. Auch dieser Flug ist sehr ruhig, auch wenn die Wolkendecke bis fast auf 10000 Meter heran reicht. Ich bin so dankbar für die ruhigen Flüge, denn meine Flugangst ist doch immer noch da. Ich nehme meist ein leichtes pflanzliches Beruhigungsmittel und bilde mir ein, das es hilft. Im Landeanflug auf Keflavik sieht man die Küste und den Ort Grindavik unter uns liegen. Alles ist verschneit und wirkt friedlich und ruhig, aber wir wissen ja das es gerade an dieser Stelle mächtig unter der Erde brodelt und der nächste Vulkanausbruch in diesem Bereich in den nächsten Tagen erwartet wird. Fast schade, dass es nicht schon so weit ist. Was wäre das für ein Ausblick aus dem Flugzeug gewesen.
Im Flughafen treffen wir auf vier der Schweizer, die mit uns auf dieser Reise sind. Sie und Peter warten in einem kleinen Café. Der erste Eindruck ist positiv und wir tauschen uns schnell über die Fotoreisen , die wir schon gemacht haben, aus. Nach etwa einer Stunde ist auch der letzte Gast, Thomas aus der Schweiz, gelandet. Wir haben uns schon auf der Toskanareise kennengelernt und freuen uns über das Wiedersehen.
Peter drängt zum Aufbruch, denn vor uns liegen nun 140 Kilometer und das bei Schneetreiben, Dunkelheit und Wind. Wir beladen den Kleinbus, einen VW Caravelle, und brechen zu der Fahrt zum ersten Hotel in Hella auf. Trotz Ankündigung von Schnee nimmt Peter die Route über Reykjavik und den Pass über den Hengill Vulkan. Er hofft, dass dieser Teil der Ringstraße eher vom Schnee befreit wird, als die Strecke entlang der Südküste der Reykjanes Halbinsel.
Trotz starkem Schneefall ist die Strecke bis Selfoss gut zu befahren. Von Selfoss bis Hella fällt kein Schnee. Die Straße ist aber spiegelglatt und erfordert höchste Aufmerksamkeit. Ich bin froh, dass ich mit Peter einen sehr umsichtigen Fahrer habe, der sich mit den Gegebenheiten auf Island sehr gut auskennt. Wir sehen andere Fahrzeuge, die in den tiefen Schnee neben der Straße gerutscht sind.
Gegen 19:00 Uhr erreichen wir unser Hotel Stracta, beziehen unsere Zimmer für die erste Nacht und treffen uns zum ersten gemeinsamen Abendessen, wo wir uns besser kennenlernen. Das Hotel heute Nacht ist nur ein Zwischenstopp auf dem Weg in den Südosten der Insel.
Die Nacht nach diesem aufregenden Anreise- und Kennenlerntag schlafe ich gut und tief. Da wir früh im Bett sind und es ja noch eine Stunde Zeitverschiebung gibt, wache ich erholt auf und bin neugierig, was der Tag bringen wird. Nach einem guten Frühstück verlassen wir bereits um 08:00 Uhr das Hotel und fahren die 90 km nach Vik, wo wir unseren ersten kurzen Stopp machen.
Hier durchfahren wir das Schwemmland des Eyjafjallajökull Vulkans, der 2010 so heftig ausbrach, dass der gesamte Flugverkehr in Europa lahmgelegt war, weil riesige Aschewolken in die Atmosphäre geschleudert wurden. Ein komisches Gefühl breitet sich im Bauch aus, wenn man die alten Brückenpfeiler sieht, die wie Mahnmale noch stehen. Die Brücke selber wurde durch die Wasser-Lava-Geröll-Massen weggeschwemmt und die Ringstraße damit unterbrochen. Am südlichen Ende Islands liegt dann Vik i Myrdal.
Im tief verschneiten Ort fotografieren wir die Reynisdrangar Felsspitzen und die Kirche oberhalb des Dorfes. Beide Fotoobjekte werden wir auf dem Rückweg noch genauer vor die Linse nehmen. Doch heute ist es sonnig und so freuen wir uns über die ersten Bilder. Allerdings geht auch ein schneidend kalter Wind und wir sind froh, dass wir uns mit einem Kaffee wieder aufwärmen können.
Anschließend fahren wir über Kirkjubaejarklaustur nach Skaftafell. Die ganze Strecke von ca. 200 km ist vereist und erfordert höchste Konzentration von Peter. Das Wetter ist sehr schön sonnig und die Temperatur um die 0°C. Der Wind lässt zum Glück nach. Zwischen Skaftafeel und der Jökulsarlon Gletscherlagune liegt immer weniger Schnee. An der Lagune ist die Landschaft dann plötzlich schneefrei. Wir machen einen ersten Kennenlern-Stopp an der Lagune, die wunderschön ist. Im Wasser treiben dicke Eisklumpen und werden durch die Strömungen hin und her bewegt. Das Licht ist einmalig schön, denn durch die Lage und die Jahreszeit ist hier jetzt eigentlich den ganzen Tag „blaue Stunde“. Aber bevor wir total ins Fotografieren verfallen, geht es erstmal zum Hotel ca. 11 km nördlich der Lagune.
Im Guesthouse Gerdi, dass in einer kleinen Ansammlung von Häusern liegt, ist es sehr gemütlich und einfach. Ich habe mein Zimmer unten auf dem Flur unweit vom Speisesaal. Das Bad ist einfach, aber alles ist da, was man braucht.
Zum Sonnenuntergang fahren wir nochmals zur Lagune und einige gehen das erste Mal an den Diamond Beach. Ich hin jedoch so von der Lagune fasziniert, dass ich dort bleibe und fotografiere.
Abends wird der Himmel wolkenfrei und klar. Der Sternenhimmel ist einmalig schön. Dies sind die idealen Voraussetzungen für eine erste Polarlicht-Nacht. Peter, aber natürlich auch wir Teilnehmer der Reise beobachten regelmäßig den Himmel. Es wird eine sehr unruhige Nacht, weil wir immer hoffen, gleich kommt die Ansage, dass es Polarlicht gibt. Ich habe zudem große Angst zu verschlafen, da ich das Telefon mit den rausgenommenen Hörgeräten nur schwer höre, trotz besonders lautem Klingelton für unsere Whats App Gruppe. Aber diese Nacht tut sich noch nichts. Außer einem kleinen Schimmer tief am Horizont , den Peter entdeckt, ist nicht zu sehen. Es werden auch keine Sichtungen in den entsprechenden Apps gemeldet. Morgens bin ich ziemlich gerädert und brauche erst mal starken Kaffee, um in den Tag zu starten.