Am frühen Morgen treffen wir uns zum Frühstück im Café. Toast, Eier, Aufschnitt, Käse, Gemüse, Obst, Joghurt …, alles was das Herz begehrt. Dazu ein guter Kaffee, was braucht man mehr zum Start in den Tag. Gestärkt verlassen wir nun unsere Unterkunft am Vetrahorn und fahren wieder in Richtung Vik i Myrdal.
Wie angekündigt hat in der Nacht starker Regen eingesetzt und die Temperaturen sind bis auf 7°C angestiegen. Am Morgen ist der schöne Schnee weg und die Landschaft ist wieder schwarz und braun.
Die 17 Wetterwarnungen des isländischen Wetterdienstes sind immer noch aktiv. Durch das Tauwetter ist die ganze Ringstrasse auf unserer heutigen Route aber als grün = problemlos markiert.
Unterwegs ist das Wetter bewölkt mit leichten Regenschauern und zunehmendem Wind. Wir fahren bis zum Fjallsarlon, wo wir nach ca. 100 km einen ersten kurzen Stopp für einen Kaffee und einen Toilettenbesuch an einer Tankstelle machen.
Auf der Weiterfahrt nach Kirkjubaejarklaustur machen wir einen Fotostopp bei der alten Torfkirche von Hof. Was für eine wunderschöne alte Kirche mit den besonderen Gräbern, die als Hügel in die Landschaft ragen. Und das Wetter ist uns gnädig, es ist trocken und der Wind aushaltbar.
In Kirkjubaejarklaustur ist Mittagsstopp. Eine warme Suppe ist meist an den Tankstellen zu bekommen, hier ist es sogar ein richtiger Grill. Da oft weit und breit sonst nichts ist, sind die Reisenden auf diese Versorgung angewiesen. Die Pilssuppe schmeckt lecker und macht nicht zu satt. Heute Abend gibt es bestimmt noch etwas Leckeres im Restaurant.
Von hier sind es nur noch ca. 70 km zu unserem Hotel in Vik. Die letzten 20 km der 274 km langen Tagesfahrt sind von starkem Seitenwind geprägt. Wir erreichen das Hotel gegen 14:30 Uhr und können schon unsere Zimmer beziehen. Das Zimmer ist großzügig eingerichtet und hat einen Blick auf das Meer. Allerdings zieht es wie Hechtsuppe durch die Fenster, so dass ich das Bett am Fenster meide. Das Bad ist dagegen sehr eng und klein und das Waschbecken eigentlich in der Dusche. Da es nur eine seitliche Glaswand gibt, die eine Seite aber offen ist, schwimmt das gesamt Bad selbst nach vorsichtigem Duschen.
Nach einer kurzen Pause fahren wir nach Vik. Zuerst genießen wir einen Blick von der Kirche oberhalb des Dorfes auf den Ort, den Strand und das Meer. Auch die Kirche selbst ist natürlich ein Fotomotiv. Allerdings weht ein heftiger Wind und immer wieder ist auch Regen mit im Gepäck. Sehr unangenehmes Wetter! Anschließend fahren wir zum Einkaufscenter und gehen von dort an den Strand. Hier fotografieren wir die Reynisdrangar Trolle in toller Lichtstimmung.
Die Temperaturen fühlen sich durch den heftigen Wind viel kühler an. Gerade am Strand, wo wir ungeschützt den Böen ausgesetzt sind, ist es zum erstem Mal auf der Reise richtig unangenehm. So bleibt es auch bei einem relativ kurzen Strandbesuch.
Im Einkaufscenter wärmen wir uns auf, kaufen Kleinigkeiten im Supermarkt und im Icewear-Shop.
Später im Hotel lassen wir uns verwöhnen. Einige bevorzugen das Buffet, ich erfreue den Gaumen mit Burger und Pommes und Salat.
Bei Dunkelheit beobachten wir die Polarlichtaktivitäten. Es ist ein hoher KP-Wert vorhergesagt, aber der Himmel ist in der Zwischenzeit komplett bedeckt und die orkanartigen Windböen machen nicht viel Hoffnung für die Polarlichtjagd. Und selbst wenn sich ein Lücke auftun sollte, ob ich bei dem Sturm mein warmes Bett verlassen würde, ???
Bereits in der Nacht setzen Regen und Schneefall ein. Heute Morgen liegt eine weiße Schicht auf Landschaft, Parkplatz und auf unserem Kleinbus. Der isländische Wetterdienst hat auch heute 17 Wetterwarnungen herausgegeben und warnt vor Schneetreiben, Überschwemmungen und hohen Windgeschwindigkeiten.
Beim leckeren Frühstück berichtet Peter von diesen Wetterentwicklungen und ihm ist die Anspannung anzumerken. Auf der einen Seite möchte er uns etwas bieten, auf der anderen Seite sind die Warnungen und realen Bedingungen alles andere als positiv.
Nach Abwägungen aller Informationen beschließt Peter den geplanten Ausflug auf die andere Passseite trotzdem in Angriff zu nehmen. Die Straße über den Pass ist noch gut zu befahren. Doch die Ringstraße zwischen Dyrholaey und dem Skogafoss ist mit einer dicken, nassen Schneeschicht überzogen. Die Autos fahren auf dieser schmierigen und rutschigen Unterlage zum Glück alle sehr langsam und vorsichtig.
Wir erreichen den Skogafoss ohne Probleme. Bei unserer Ankunft regnet es leicht. Doch nach wenigen Minuten reißt der Himmel auf und blaue Lücken sind zu sehen. Sogar die Morgensonne kommt durch und erzeugt in der Gischt des Wasserfalls einen Regenbogen. Was haben wir für ein Glück. Wir können es nach diesen Wettervorhersagen kaum glauben und erfreuen uns an diesem besonderen Geschenk. Der Wasserfall ist eindrucksvoll und trotz der Touristen schön zu fotografieren. Immer wieder werden auch wir gebeten andere Menschen vor diesem Naturwunder abzulichten. Die Selfierate und das Posing der Youtuber ist enorm hoch und oft amüsieren wir uns über die Spezies, die nur sich selber in Szene setzen und von der Schönheit der Landschaft nichts mitbekommen.
Auf Grund der Wahrscheinlichkeit, dass das angekündigte Schlechtwetter über die Küste zieht, beschließt Peter, den Besuch des Kvernufosses ausfallenzulassen und fährt wieder ostwärts auf die Hablbinsel Dyrholaey. Wir wollen unser Glück nicht überstrapazieren. Stattdessen besuchen und fotografieren wir die Reyninsfjara Bucht mit dem schwarzen Strand und dem Basalt Felsen. Die Reynisdrangar Felstrolle in der Ferne sind auf Grund der Gischt und Nebels nur ab und zu schemenhaft zu erkennen. Der Wind ist so stark, dass wir unser Stativ immer gut festhalten müssen. Die Gischt fliegt durch die Luft und so müssen wir immer wieder die Linsen reinigen. Keine einfachen Bedingungen zum Fotografieren, aber die Natur ist so ungebändigt, wild und rauh, einfach herrlich. Der Wind hat deutlich sturmstärke und die Wellen sind so hoch und donnern mit wilder Wucht auf die Klippen, beeindruckend.
Nachdem heute auch die Fahrt hinauf zum Leuchtturm freigegeben wird, fahren wir hin und genießen den Blick über den Strand. Ich bin über diese Entscheidung besonders glücklich, denn als absoluter Leuchtturmfan freue ich mich, einen neuen für meine Sammlung zu fotografieren, den Dyrhólaey Leuchtturm! Erhaben thront er auf der Klippe. Auch der Blick hinunter auf den schwarzen Strand und die Dünenlandschaft ist atemberaubend schön.
Unser nächster Stopp ist der schwarze Strand Reynisfjara. Hier machen wir unsern Mittagsstopp im Black Beach Restaurant bei einem dicken Stück Kuchen bzw. Muffin. Peter schwärmt vom Skyrkuchen, der aber leider bis auf ein Stück für ihn ausverkauft ist, wie schade! Nach dieser Stärkung begeben uns an den Strand für den die rote Warnstufe ausgegeben ist. Trotz Wassertiefstand schießen die Wellen bis zu den Basaltfelsen an der Ecke der Felswand. Somit ist auch der Weg hinter den Felsen und näher an die Reynisdrangar Sea Stacks versperrt. Tafeln warnen die Besucher von den Sneaky Waves und die rote Signallampe warnen vor den Gefahren. Dies hält viele Touristen nicht davon ab, sich den Wellen gefährlich zu nähern, um dann im letzten Moment zu fliehen. Auch kleinere Kinder sind ohne Hand der Eltern unterwegs, unverantwortlich. Jedes Jahr sterben hier etliche Besucher und heute sind hier extreme Bedingungen. Doch die Menschen wollen posen und zeigen ein unbekümmertes Verhalten. Unglaublich, wie leichtsinnig sie sind oder die Gefahr gar nicht sehen. Mir wird beim Zugucken schon Angst und Bange. Schön anzusehen sind jedoch die Basaltsäulen und die Hálsanefshellir Cave, aber leider auch schwer zu fotografieren, da ich das falsche Objektiv draufhabe. Und an einen Objektivwechsel ist bei so einem Wetter an einem Strand mit fliegendem Sand und salziger Gischt nicht zu denken.
Mit längeren Belichtungszeiten versuchen wir die Dynamik und die Kraft des Wassers einzufangen. Dicke Gischt lässt die Felsspitzen wie im Nebel erscheinen. Die klebrige Salzwassergischt wird vom Wind auch in unsere Richtung geblasen. Wir verfolgen das Schauspiel für eine Weile und kehren aber nach etwa einer Stunde zum Auto zurück. Für unsere Ausrüstung sind die salzige Gischt und der fliegende Sand nicht so gut. Abends müssen Kamera, Objektive und Filter erst mal gereinigt werden.
Im Hotel ist ab 17 Uhr Happy Hour und so treffen wir uns hier vor dem Essen auf einen Drink. Ich gönne mir ein Alsterwasser, andere ein Glas Wein. Essen und Trinken sind für deutsche Verhältnisse auf Island sehr teuer und so bin ich oft sehr zurückhaltend. Heute gibt es wieder lecker Essen, aber ich verzichte auch heute auf das Buffet (hat heute viel Lamm im Angebot, was ich nicht mag) und nehme den Salat mit Hähnchenbrust. Sehr lecker und endlich mal wieder genug Grünzeug.
Abends befassen wir uns mit unseren Bildern und der Ausrüstung. Polarlichter sind bei der Wetterlage mit Sicherheit nicht zu sehen, es stürmt und schneit.
Heute Morgen sind wir früh unterwegs. Bereits um 7.30 Uhr sitzen wir, trotz schlechtem Wetter, beim Frühstück. Wir wollen heute das Flugzeugwrack besuchen und haben den ersten Transfer, der mit einem großen Allradbus gemacht wird, gebucht
Um 08:45 Uhr brechen wir dann auf, um rechtzeitig zum ersten Bus Shuttle an der Pick-Up Location zu sein. Trotz der widrigen Wetterbedingen (Regen und starker Wind) sind zum ersten Transfer um 10:00 Uhr schon ganz viele Besucher vor Ort. Nach der ca. 15 Minuten Fahrt erreichen wir das Flugzeugwrack, das 1973 auf dem Strand notlanden musste. Zu Beginn regnet es immer noch. Nach kurzer Zeit reißen die Wolken aber vorübergehend auf und wir kriegen sogar farbige Wolken zu sehen.
Die anderen Touristen sind nach ihren Selfies schnell wieder mit anderen Dingen beschäftigt und so haben wir tatsächlich die Möglichkeit zu Fotos ohne andere Personen am Wrack zu haben.
Wir lassen uns am Flugzeug so lange Zeit, wie wir für unsere Fotos benötigen, aber der erneut heftig einsetzende Regen zwingt uns zum Abbruch. Zum Glück wartet der Shuttle auf uns und wir müssen nicht im Regen ausharren. Das wäre bei einer Zeit bis zum nächsten Transfer von etwa 40 Minuten echt Mist gewesen.
Auf dem Weg zurück nach Vik zeigt sich eine grandiose Lichtstimmung über dem Meer. Daher fährt uns Peter erneut hinaus auf die Halbinsel Dyrholaey. Hier herrscht heute noch mehr Wind als gestern: Sturm-Bedingungen mit Böen von über 100 km/h. Neben der tosenden Brandung in Kurzzeit, fotografieren wir – trotz der Windbedingungen – die Bucht mit dem Basaltfelsen mit Langzeitbelichtung. Regengüsse ziehen regelmäßig über uns hinweg aber wir nutzen die Phasen dazwischen. Trotz oder gerade wegen der Nässe und des Orkans erleben wir eine unbeschreibliche Naturgewalt an der Küste, die einmalig ist. Ich habe das Meer noch nie so gewaltig erlebt. Wellen brechen mit solcher Wucht an den Klippen, es ist ein Getöse aus Wind und Wellen, Wahnsinn! Über eine Stunde lassen wir uns durch diese Naturgewalten beeindrucken und versuchen die Wucht in Bilder zu verwandeln. Wieder müssen unsere Kameras und Objektive mächtig unter der Gischt leiden, obwohl wir, wann immer die Kamera nicht in Aktion ist, diese mit Tüten oder Tüchern schützen.
Nach diesem einmaligen, aber nasskalten Erlebnis wünschen wir uns einen heißen Kaffee und ein Stück Kuchen. Doch das Black Beach Café vom Vortag ist rappelvoll und so fahren wir noch einmal zum Einkaufszentrum nach Vik. Hier gibt es nun einen Mittagssnack und Kaffee. Außerdem kaufen einige Mitreisende noch ein wenig Schnöckerkram ein. Hoch im Kurs sind getrocknete Mangos, die ich nur empfehlen kann.
Der Tag klingt im Hotel aus. Wir haben Zeit ist Bilder zu sichten und zu bearbeiten. Um 17 Uhr treffen wir uns zu einer letzten Happy Hour. Anschließend geht es zum Essen und heute lasse ich mir zum Ende der Zeit hier das grandiose Buffet schmecken. Eine beindruckende Vielfalt aus Fisch und Fleisch, aber auch Pasta, Suppe und vor allem Nachspeisen. Aber der Preis von umgerechnet 55 € ist auch nicht günstig. Insgesamt habe ich am Ende der Reise 700€ für alle Essen, Trinken,… ausgegeben.