04.02.2025 / Vik – Selfoss – Grindavik – Keflavik

Wie die Zeit verfliegt! Heute geht es schon zurück in Richtung Flughafen. Unser letztes Hotel ist das Lighthouse Inn in Gardur, dass ich schon von meiner letzten Reise kenne.

Heute Morgen heißt es wieder früh raus, denn das Wetter verschlechtert sich weiter.

In der Nacht erreichen uns schon die Ausläufer des Monstersturms, der für Mittwoch und Donnerstag vorhergesagt wird. Für die nächsten Tage sind 19 (!!) Wetterwarnungen des isländischen Wetterdienstes ausgegeben.

Der Wind pfeift um unsere Unterkunft und am Morgen liegt eine Schicht Neuschnee auf der Landschaft.

Wir nehmen ein schnelles Frühstück ein und bereits um 8.15 Uhr packen wir unser Auto. An Reisetagen ist es Peter immer wichtig frühzeitig loszukommen, um bei Unvorhergesehenem reagieren zu können. Gut verständlich finde ich.

Diese Wetterkonditionen aus starkem Wind und Schneefall, der in Form von Verwehungen vertikal über die Straßen bläst, begleiten uns auf der ganzen Fahrt von Vik nach Keflavik. Doch die Straßen sind befahrbar und meist schnee- und eisfrei.

In Selfoss machen wir einen kurzen Kaffeestopp und folgen dann der Südküste der Reykjanes-Halbinsel. In Grindavik sehen wir die Schäden, die die Erdbeben und die Lavaströme der letzten Vulkanausbrüche angerichtet haben. Es herrscht eine beklemmende Stille. Die meisten Häuser sind unbewohnt. An einer Firma am Hafen arbeitet jemand allein mit dem Gabelstapler. Der Hafen soll immer noch eingeschränkt in Betrieb sein. An einigen wenigen Häusern stehen Autos.  Rechts und links der Straße ist die Erde aufgebrochen und Verwerfungen und Absätze sind erkennbar. Es ist ein gespenstischer Ort. Uns ist bewusst, dass die Erde hier jederzeit beben oder der Vulkan ausbrechen kann.  Wir machen einen kurzen Fotostopp an der Blauen Lagune, wo auch das wichtigste Energiekraftwerk des Landes liegt, welches für Reykjavik und die Reykjanis-Halbinsel Wärme und Strom produziert. Rund um dieses Gebiet sind  die Bauarbeiten für einen hohen Schutzwall immer noch im Gange.  Etliche große Fahrzeuge versuchen einen etliche Meter hohen Schutzwall um die Lagune und das Kraftwerk aufzuschütten. Würde allerdings innerhalb des Schutzbereiches die Erde aufbrechen, wäre es wohl eine richtige Katastrophe.

Uns allen ist nicht wohl und wir fragen uns, wie Touristen hier unbeschwert im warmen Wasser der blauen Lagune entspannen können. Natürlich gibt es Frühwarnsysteme, aber gerade bei diesem Wetter sind alle besorgt, dass sie versagen könnten. Nach 15 Minuten Fotostopp sind wir wieder unterwegs und froh, das Gebiet zu verlassen. Direkt hinter dem Wall ist die Erde rechts und links der Straße noch so heiß, dass sie dampft.

 

Gegen 15:00 Uhr erreichen wir unser Hotel. Wir haben Glück und können direkt in unsere Zimmer. Wir verteilen uns noch bei Helligkeit auf die erreichbaren Fotohighlights: den Leuchtturm, die kleinen, süßen Häuschen und die Pferde auf dem Nachbarhof.

 

Ich gehe zum Leuchtturm und gerate in einen heftigen Hagelschauer. Zunächst bin ich noch hinter einer Kaimauer etwas geschützt, doch als ich aus diesem Windschatten komme, nimmt es mir fast den Atem. Wie Nadelstiche prasseln die Hagelkörner in mein Gesicht. Ich flüchte auf die Toilette am Restaurant Röstin und warte den Schauer ab. Dann geht es die wenigen 100 m zurück ins Hotel. Alle Klamotten müssen nun trocknen.

Während draußen der Wind tobt und immer mit heftigen Schneeschauern unterbrochen wird, machen wir eine Bildbesprechung. Es ist immer wieder spannend zu sehen, was jeder/jede Einzelne aus der Fotolocation macht. Ich bin mit meiner Ausbeute sehr zufrieden.

Etwas anderes ist aber überhaupt nicht lustig. Auf Grund des Wetter und der angesagten Orkane wird der gesamte Flugbetrieb morgen ab 14 Uhr eingestellt. Mein Flug für 15.40 Uhr wird gecancelt. Mit Peters Hilfe versuchen wir mich auf den früheren Flug nach Kopenhagen umzubuchen. Mit diesem Flieger fliegt auch Nina zurück. Nach einigen Schwierigkeiten habe ich eine Umbuchungsbescheinigung in der App , allerdings kommt keine Bestätigung per Mail. Zur Sicherheit druckt Peter mir über das Hotel die Daten aus.

Durch die Umbuchung habe ich die Möglichkeit am Morgen mit Peter im Bus nach Keflavik zu fahren. Dadurch spare ich mir das Taxi.

Die Schweizer haben weniger Glück. Thomas Flug war eh für Donnerstag geplant. Dieser wird weit nach hinten geschoben, da soll ein Zeitfenster zum Fliegen sein. Claudia und Hans-Peter müssen zwei weitere Tage auf Island im Hotel auf ihre Flüge warten. Wie wir später hören, ist das Wetter so schlimm, dass sie in dieser Zeit das Hotel so gut wie gar nicht verlassen können.

Andi und Annette wollten eh noch auf Island bleiben und Reykjavik und den Golden Zirkel besuchen. Sie sitzen die zwei ihrer drei Tage allerdings auch nur im Hotel fest und können ihr geplantes Programm nur sehr bedingt umsetzen.

Die gesamte Insel ist im Ausnahmezustand: Warnstufe rot für die gesamte Insel, da zwei Orkane innerhalb von 30 Stunden durchziehen. Der Wind soll auf 180km/h in Böen kommen (gemessen werden später 225km/h), dazu je nach Region Niederschläge bis 250 l pro qm oder heftige Schneeschauer. Da kommt was auf die Insel zu, was noch nie so dagewesen ist und wir mittendrin ☹

Am Abend lassen wir es uns trotz aller Hiobsbotschaften noch einmal gut gehen. Im Restaurant Röstin am Leuchtturm genießen wir das letzte gemeinsame Abendessen.

Es war eine schöne harmonische Reise. Trotz mancher Wetterkapriolen haben wir alle geplanten Locations anfahren können. Wir hatten Schnee, Sonne, Wind, Kälte, mildes Wetter, Sturm, Windstille, Nebel, die gesamte Bandbreite. Alles hat gut geklappt und Peter hat uns trotz widriger Bedingungen sicher über die Insel gefahren. Kein Vulkan ist ausgebrochen, kein Erdbeben spürbar, die Natur hat es gut mit uns gemeint😊.

05.02.2025 / Abreise

Um 3.50 Uhr klingelt mein Wecker. Da ich aus lauter Angst zu verschlafen eher eine sehr unruhige Nacht hatte, bin ich vor dem Wecker wach und stehe gleich auf. Nur schnell eine Katzenwäsche und Zähne putzen, dann kommt alles in den Koffer. Ich bereite mir noch einen schnellen Cappucino zu und dann geht es los. Peter und Nina warten schon und schnell sind unsere 3 Koffer eingeladen. Am Flughafen will ich dann einchecken, doch die Dame findet mich nicht im System. Die Umbuchung sei nicht aktiv????

Hilfe, jetzt bloß nicht doch noch stranden. Ich habe zwar erheblichen Schiss vor dem Flug bei dem Sturm, aber zwei Tag ungewollte Verlängerung wären ja auch nicht toll. Nach einem Telefonat und Gespräch meiner Dame am Check-In kommt aber die erleichternde Nachricht: Ich kann mitfliegen. Schnell ist der Koffer weg und Nina und ich verabschieden uns von Peter, der in der Lounge auf seinen Flug warten wird. Wir beiden gehen zum Gate, gönnen uns noch einen Kaffee und eine Zimtschnecke und dann heißt es warten. Immer wieder geht der Blick besorgt nach draußen , wo der Sturm nur so um die Ecken fegt. Das Ballett der Schneeräumer ist draußen fleißig und räumt die Pisten und die Flugzeugtragflächen werden vor unseren Augen gründlich enteist. Es scheint loszugehen.

Tatsächlich heben wir mit nur 20 Minuten Verspätung um 8.00Uhr morgens ab. Wider aller Erwartungen wird es ein total ruhiger, sehr angenehmer Flug. Immer wieder nicke ich ein, das frühe Aufstehen und der schlechte Schlaf in der Nacht fordern ihren Tribut. Nach 3 Stunden 20 Minuten landen wir sicher in Kopenhagen.

Nach zwei Stunden Wartezeit geht es dann in der kleinen Propellermaschine nach Hamburg. Auch dieser Flug ist sehr angenehm und bei gutem Wetter kann ich viel ausgucken und erkennen: Fehmarn, Grömitz, Neustadt, Haffkrug und die Lübecker Bucht. Dann ziehen leider Wolken auf. Pünktlich um 15.10 Uhr landen wir wohlbehalten in Hamburg. Nachdem wir unsere Koffer haben, heißt es Abschied nehmen von Nina. Wir werden uns sicher mal treffen. Mein Schatz Toddy konnte sich freimachen und holt mich vom Flughafen ab. Um 16.15 Uhr bin ich nach einem langen Reisetag und einer wunderbaren Reise glücklich wieder Zuhause.